Das Coronavirus traf uns unvorbereitet. Wir haben unsere Freiheit eingeschränkt, um die Gesundheit zu schützen. Es bestand politische Einigkeit. Jetzt wachsen Zweifel. Ich bin überzeugt, dass die Pandemie eine Gefahr ist. Ich denke an meine Omas und fürchte Bilder wie aus Italien. Aber ich bin nicht überzeugt, dass diese Krisenpolitik noch alternativlos ist.

Frau Merkel verbittet sich „Diskussionsorgien“. Dabei müssen wir diskutieren, ob es mildere Mittel gibt. Denn der Stillstand hat gesundheitliche Nebenwirkungen. Ich denke an Operationen, die verschoben werden. Oder an Menschen, die aus Sorge um ihre wirtschaftliche Existenz Schaden an der Seele nehmen.

Neue Antworten sind möglich. Denn das Gesundheitswesen ist vorbereitet, Versorgungsmängel werden abgestellt, die Forschung macht Fortschritte. Vor allem haben wir alle viel über Hygiene und Abstandhalten gelernt.

Erstens können wir die vielen widersprüchlichen Regeln durch ein Prinzip ersetzen: Es kann ein Laden, ein Restaurant, ein Betrieb oder eine Schule öffnen, wenn es ein Konzept für Hygiene, Schutz für die Beschäftigten und Abstand zwischen den Menschen gibt.

Zweitens sollte das Virus da bekämpft werden, wo es tobt. Wenn es in einer Region einen Ausbruch gibt, sollte dort alles, und wirklich alles runtergefahren werden – aber warum soll ein Hotel in Garmisch geschlossen werden, wenn in Kiel ein Infektionsherd entsteht?

Drittens bekämpfen wir das Virus noch mit Rezepten aus dem Mittelalter. Schulen und Verwaltungen müssen digitaler werden. Dringlich sind die Apps auf dem Smartphone, die Infektionsketten anonym verfolgbar machen. In Verbindung mit mehr Corona-Tests behalten wir die Kontrolle.

Für Frau Merkel gibt es nur Vorsicht oder Leichtsinn – aber Gesundheit und Freiheit müssen auch in Zeiten von Corona keine Gegensätze sein.