Biografie

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Das Bergische LandFreiburger ThesenPodiumsdiskussion der Liberalen Schüler 1996Unternehmen IUnternehmen IILandeskommandoUni BonnLandtagswahlkampf 2000Landtag: Kinder- und JugendpolitikGeneralsekretär FDP NRWPlenum BTFDP-Generalsekretär2009-2011Landesvorsitz und LandtagsfraktionPrivat
Meine Heimat ist das Bergische Land, das nordöstlich an Köln angrenzt. Geboren wurde ich am 7. Januar 1979 in Wuppertal, aufgewachsen bin ich in Wermelskirchen – einer Kleinstadt mit gut 38.000 Einwohnern zwischen Talsperren und Wald.
Mein Interesse an politischen und sozialen Fragen wurde früh im Politikunterricht geweckt. Erstmals richtig engagiert habe ich mich in der Schülervertretung meiner Schule. In dieser Zeit habe ich mir auch die politischen Jugendorganisationen in meiner Heimatstadt angesehen – Junge Liberale gab es noch nicht. Den Impuls zur FDP gab letztlich mein Vater: Er war zwar kein Mitglied, hatte aber aus seiner Studienzeit noch ein Exemplar der „Freiburger Thesen“, die mir 2010 der damalige Bundesvorsitzende und spätere Bundespräsident Walter Scheel signiert hat. Auch wenn sich mir als Schüler noch nicht alles erschlossen hat: Die Werte und Argumente haben mich so beeindruckt, dass ich mit ein paar Freunden die Jungen Liberalen in Wermelskirchen gegründet habe.
Politik war damals für mich natürlich nur eine von vielen Freizeitaktivitäten. Der Schwerpunkt meiner politischen Arbeit lag in meinem Heimatkreisverband, wo ich ehrenamtlich Wahlkämpfe organisiert und Arbeitskreise geleitet habe. Elf Jahre habe ich hier später auch als Kreisvorsitzender gearbeitet. Darüber hinaus habe ich mich bei den Jungen Liberalen bis in den nordrhein-westfälischen Landesvorstand engagiert, war Landesvorsitzender der Liberalen Schüler. Spontan habe ich dann 1998 auf einem Landesparteitag der FDP meinen Sitznachbarn gebeten, mich für die Wahl des Landesvorstands der FDP in Nordrhein-Westfalen vorzuschlagen – überraschend wurde ich tatsächlich als Beisitzer gewählt.
Ich wollte möglichst früh auf eigenen Beinen stehen. Als Schüler habe ich mir mit Werbegrafik etwas hinzuverdient. Daraus habe ich 1997 ein kleines Gewerbe aufgebaut und später – nach dem Abitur – eine mittelständische Werbeagentur. Teilweise habe ich umfängliche Kampagnen realisiert – von der Strategie, über Werbematerialen und Veranstaltungen (wie eine Teilnahme bei der Loveparade) bis hin zur Gestaltung von Ladenlokalen. Das war mein erstes, erfolgreiches Unternehmen, das ich bis Ende 2004 geführt habe.
Mein zweites Unternehmen war vor allem lehrreich: Mitte 2000 - die New Economy befand sich auf ihrem Höhepunkt - habe ich gemeinsam mit zwei Freunden ein Unternehmen gegründet, mit dem wir das Online-Shopping kundenfreundlicher machen wollten. Als vierter Partner stieg von Beginn an ein privater Investor mit ein, der „Risikokapital“ für Mitarbeiter und Technik zur Verfügung stellte. Wir kamen zu spät, die Börsenblase platzte, bevor unser Produkt überhaupt vollständig ausgereift war. Im April 2001 schied ich aus der Geschäftsführung aus. Doch auch das neue Management schaffte den Turnaround nicht und meldete Ende 2001 Insolvenz an, die ordnungsgemäß abgeschlossen wurde. Übrigens: Risikokapital-Geber erhalten eine öffentliche Förderung – so auch unser Investor.
Nach dem Abitur habe ich als Hausmeister in einer Bildungsstätte Zivildienst geleistet. Ehrlich gesagt: Es war eine pragmatische Entscheidung, weil ich nur so mein Unternehmen weiterführen konnte. Gut, dass es durch die Aufhebung der Wehrpflicht solche Probleme nicht mehr gibt. Später habe ich dann auf die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer förmlich verzichtet und mich um die Aufnahme in die Laufbahn der Reserveoffiziere beworben. Wehrübungen und Ausbildung schlossen sich an. Heute bin ich Hauptmann der Reserve und eingeplant im Landeskommando Nordrhein-Westfalen.
In Bonn habe ich vom Wintersemester 1999/2000 bis 2006 Politikwissenschaft mit den Nebenfächern Staatsrecht und Philosophie studiert, Abschluss Magister Artium. Insbesondere meinen akademischen Lehrern Frank Decker und Udo di Fabio verdanke ich eine inspirierende Zeit. Den größten Teil des Studiums habe ich allerdings parallel zu meinem Landtagsmandat und meiner Berufstätigkeit absolviert.
Im Jahr 2000 wurde ich in den Landtag von Nordrhein-Westfalen gewählt. Einen hinteren Listenplatz für die Landtagswahl hatte ich mir in einer Reihe von Wettbewerbskandidaturen vom Kreis über den Bezirk bis zum Land erkämpft. Dass es dank eines überraschend guten Wahlergebnisses sogar zum Parlamentseinzug reichen würde, konnte niemand vermuten. Als Student wollte ich nun natürlich Hochschulpolitik machen. Meine Fraktion meinte aber: Der jüngste Abgeordnete soll sich lieber mit Kindergärten beschäftigen...
Der damalige SPD-Bundeskanzler hatte das ganze Themengebiet Kinder, Jugend und Familie irgendwann „Gedöns“ genannt. Auch ich war anfangs skeptisch. Doch bald habe ich die Bedeutung und den Wert der frühen Förderung von Kindern, der Integration von Zuwanderern, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Stärkung der Bildungsarbeit außerhalb der Schule erkannt. Auch wenn ich später im zentralen Haushaltsausschuss oder im Hochschulausschuss gearbeitet habe: Meine Leidenschaft gehörte in meinen neun Landtagsjahren immer der Kinder- und Jugendarbeit und den Kindertageseinrichtungen.
Ende 2004 wurde ich auf Vorschlag des Landesvorsitzenden Andreas Pinkwart Generalsekretär der FDP in Nordrhein-Westfalen. Die erste Herausforderung war der Landtagswahlkampf 2005, den ich für meine Partei verantwortet habe: Wir konnten gemeinsam mit der Union einen Regierungswechsel nach 39 Jahren SPD erkämpfen. Einen Korpsgeist wie in den ersten Jahren der neuen Koalition habe ich danach nicht mehr erlebt. Ich selbst habe eine neue Rolle gelernt: Nach der Oppositionszeit als Fachpolitiker musste ich nun die großen Linien einer Regierung öffentlich erklären – und richtig dosiert auch das Profil der eigenen Partei in der Koalition schärfen. Viel Mühe habe ich auf die Programmarbeit der Landespartei verwendet, so haben wir u.a. zur Sozial- und Bildungspolitik neue Grundsatzbeschlüsse gefasst.
Nach zehn Jahren im Landtag und zu meinem dreißigsten Geburtstag war für mich klar: Ich möchte mal etwas anderes machen. Und für einen leidenschaftlichen Parlamentarier war der Wechsel auf die Bundesebene verlockend. Also habe ich mich um ein Bundestagsmandat beworben – mit Erfolg. Im Bundestag hat die FDP-Fraktion mich in den Ausschuss für Wirtschaft und Technologie entsandt. In der ersten Plenarsitzung habe ich langjährige persönliche Freunde getroffen: Johannes Vogel, Marco Buschmann und Bijan Djir-Sarai.
Mein Plan war, noch über die Landtagswahl 2010 Generalsekretär meines Landesverbandes Nordrhein-Westfalen zu bleiben, um mich danach auf die Wirtschaftspolitik zu konzentrieren. Nach Jahren als Generalist wollte ich wieder Spezialist werden – so wie ich es zuvor im Landtag im Bereich Bildung und Familie war. Es kam anders. Der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle hat mich im Dezember 2009 gefragt, ob ich auf seinen Vorschlag Generalsekretär der Bundespartei werden wolle.
Von Dezember 2009 an habe ich die Politik der FDP als Generalsekretär erklärt, verteidigt und mit zu gestalten versucht. Als Leiter der Grundsatzkommission habe ich die Erarbeitung eines neuen Grundsatzprogramms für die FDP aufgenommen. Im Mai 2011 stand dann der Wechsel im Vorsitz meiner Partei an: Philipp Rösler folgte auf Guido Westerwelle. Im Dezember 2011 habe ich mein Amt als Generalsekretär in die Hände der Partei zurückgegeben, um in schwieriger Phase einen neue Aufstellung zu ermöglichen, weil eigene Ansprüche und Erwartungen Dritter nicht mehr zusammen passten. Ich wollte mich auf die parlamentarische Arbeit konzentrieren. Ich wurde - für kurze Zeit - Technologiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.
Im März 2012 löst sich der Landtag von Nordrhein-Westfalen auf: Die FDP-Fraktion war nicht bereit, den Schuldenhaushalt der rot-grünen Minderheitsregierung zu tragen. Auf Bitten vieler Parteifreunde erkläre ich mich bereit, die Spitzenkandidatur in NRW und damit einhergehend auch den Parteivorsitz zu übernehmen. Unsere Kampagne, die wir mit dem Slogan „Lieber neue Wahlen, als neue Schulden“ einläuten, ist erfolgreich: Bei der Wahl am 13. Mai erhalten die Liberalen mit 8,6 Prozent der Stimmen das zweitbeste Wahlergebnis seit 1958. Die FDP zieht mit 22 Abgeordneten in den Landtag ein und wählt mich zu ihrem Fraktionsvorsitzenden. Auf dem 64. Bundesparteitag in Berlin wurde ich am 9. März 2013 zum Stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP gewählt.
Für ein ausgedehntes Privatleben bleibt wenig Zeit. Die knappen Momente verbringe ich mit meiner Frau, meiner Familie und meinen Freunden. Ich lese historische Romane, höre elektronische Musik – und im Sommer gehe ich segeln. Wie man sieht: Das ganze Jahr über habe ich Spaß an schnellen und am liebsten alten Autos.